Die Achse des Anstrengenden: Oldenburg - Karlsruhe

Dienstag, 26. Februar 2008

Ich habe dann auch nur ein Jahr in Oldenburg gewohnt, wofür Oldenburg allerdings nichts kann.

War mein Umzug von Berlin nach Oldenburg noch problemlos, da ich mit nur wenig Plunder in eine möblierte Wohnung zog, so verhielt es sich nun etwas anders. In Karlsruhe war die Home-Company nur mit Kargem und Tristem ausgestattet. Ich war gezwungen, mir eine Wohnung UND Möbel anzuschaffen. Jetzt könnte ich eine lustige Geschichte erzählen, davon, wie ich mit Bett Trömso und Schrank Mammut und meiner Freundin Sandra vor IKEA in Bremen stand und wir beide dem Auto zuriefen "Es werde Platz" oder doch zumindest "Es werde Rückenlehne zurückklappen". Aber das Kokettieren mit der eigenen Unfähigkeit überlasse ich anderen.

Nicht anderen überlassen möchte ich den schon lange ausstehenden Hinweis, dass ich keineswegs alleine durch die Republik toure, sondern von drei tatkräftigen Meerschweinchen namens Selma, Betty und Trumpfbert begleitet wurde. Stumm unterstützen sie jeden Umzug mit beredtem Mümmeln und Rumsitzen. Überhaupt, Rumsitzen, fast so gut wie Rumliegen, um Längen besser als Herumstehen, welches wiederum dem Herumlaufen überlegen ist. Vom übel beleumundeten Herumrennen ganz zu schweigen.

Also muss neben dem staubigen Hausrat auch das eine oder andere Heuhälmchen und Maiskörnchen durch die Republik gefahren werden. A propos staubiger Hausrat: meine große Schwester nahm nur an einem einzigen Umzug teil. Zu diesem erschein sie restalkoholisiert in hohen Schuhen. Im Schlepptau einem Mann, der gerne Frauenkleider trug und aussah wie Nosferatu mit langem fisseligen Haar. Ihre Mithilfe bestand darin, den Liebreiz des transylvanischen Transvestiten zu lobpreisen und mit einem Staubwedel all meine auf der Strasse stehenden Möbel abzustauben. Aufgeschrieben klingt es wie eine lächerliche Übertreibung aus der Feder eines Sat1-Comedy-Autors, aber es ist wirklich wahr. Frag alle.

Auf jeden Fall ist meine große Schwester von weiteren Umzügen freigestellt. Die Meerschweinchen hingegen wurden gnadenlos mitgeschliffen.


Zurück auf Anfang

Dienstag, 26. Februar 2008

Soooo, nun mal ganz von vorne. Der Plan, umzuziehen wächst schon seit einiger Zeit in mir, in meinem Mann leider gar nicht. Er ist in unserer drei Zimmer Wohnung in recht zentraler Lage ganz zufrieden. Ich nicht. Unsere Nachbarn, die drei Tage ununterbrochen in Discolautstärke Techno hören, nerven mich genauso, wie die vier Stockwerke Altbau, die ich mich jeden Tag mit Kleinkind hochschleppen muss, wobei das "mich schleppen" schwerer wiegt, als das Kleinkind. Dazu kommt, dass unsere Wohnung sehr veraltet ist, und das dem Vermieter so ziemlich egal zu sein scheint. Steckdosen im Bad bekamen wir erst, als in der Küche ob der Belastung von 7 Geräten gleichzeitig die Sicherung nicht nur rausflog, sondern durchschmorte. Dies sind für mich lauter plausible Gründe für einen Umzug, während mein Mann schon bei dem Wort Umzug die Augen verdreht. Aber dann war er einverstanden, und die Suche konnte (oder musste) los gehen. Sofort wurde das Internet nach Immobilienbörsen durchforstet. Immonet, Immobilienscout24, und Quoka hatten es bis in den engeren Kreis geschafft. Da wir wieder nach drei-vier Zimmern suchen und nicht unbedingt ins Szeneviertel wollen, ist das Angebot gar nicht sooo schlecht. Bei drei Zimmern jedoch deutlich größer. Die ersten drei Wohnungen sind sogar schon besichtigt, man, was für Bruchbuden!

Städte-Bashing, die Erste

Donnerstag, 21. Februar 2008

Ich bin in Berlin geboren, zur Schule gegangen, habe dort studiert und einen hochanständigen akademischen Grad erworben. Und ich fand Berlin durchaus okay. Ziemlich okay sogar. Man konnte dufte einkaufen und in tolle Clubs gehen. In der Retrospektive würde ich die Phase, in der dies Indikatoren für meine hohe Lebensqualität waren, nicht unbedingt als meine tiefgründige Periode bezeichnen. Die zweifellos zahllosen Biografien, die nach meinem Tod oder womöglich schon zu Lebzeiten veröffentlicht werden, nennen diese Zeit die "Hühnchen-Phase". Gack.

Ich zog dann nach Oldenburg. Oldenburg in Oldenburg. Mit Hilfe der überaus praktischen home company fand ich ein wirklich hübsches möbliertes Zimmer. Großes Thumby Up. Man sollte allerdings vermeiden, in der Zeit der Kohlfahrten dort aufzuschlagen. Kohlfahrten, das klingt wie eine nette Unternehmung mit Naturbezug und kulturellem Hintergrund.

In der Realität entpuppt es sich eher als eine Art mobile Vorhölle. Entfesselte Männerhorden ziehen mit einem alkoholbeladenen Bollerwagen durch die Stadt und werden zunehmend betrunkener. Geht man als Frau vorbei, wird man zum Schmusen aufgefordert, wobei man "Schmusen" in der Regel durch etwas deftigere Synonyme ersetzt. Weltkulturerbe.

In Oldenburg sitzt auch die Firmenzentrale der Firma Nanu-Nana, deren Inhaber für die Verbreitung der Diddl-Maus minutenlang gewürgt gehört. Kein Wunder, dass die Oldenburger soviel saufen. Ansonsten ist diese Stadt aber kummerfrei. Sieht man von meinen beiden männlichen Kollegen ab, die an Wochenenden regelmäßig in einem unfassbaren Alkoholexzess versanken, genährt von einer Art Erdbeerlikör und Chili-Tequila. Dies war auch Bestandteil des Einweihungsritus für neue Kolleginnen. Abteilungsessen beim Mexikaner, scheinheiliges Ordern einer Tequila-Runde, präpubertäres Gekicher angesichts herausquellender Kolleginnenaugen und Schweissausbrüche. Oldenburger.

Diese Kummerfreiheit bereitete mir bei der einzigartigen Gelegenheit einer Wahlteilnahme einiges Kopfzerbrechen. Wahlkampfthemen hat Oldenburg kaum, es gibt keine sichtbare Kriminalität, keine sichtbaren Obdachlosen, nicht einmal Ausländer hat es dort. Die Steuereinnahmen aus der Alkoholsteuer nähren alle reichlich. So werden dort eben noch schärferer Chili-Tequila und allzeit herausquellende Neukolleginnenaugen versprochen, die Jugendlichen erhalten feste Zusagen über mehr Dezibel in den Techno-Land-Diskos, die sie auch in Zukunft mit igelig hochgegelten Haaren betreten dürfen, wann immer ihnen oder der Disko danach ist.

Ich für meinen Teil gab aus Dafke meine Stimme dem sympathischen Michael Grüß, dem DKP-Vertreter, der mit 26 noch Auszubildender ist. Ich stehe der Deutschen Kommunistischen Partei keinesfalls nahe, aber in Oldenburg geht nix kaputt, wenn Michael Grüss neben Muttis und Vatis Stimme noch meine dazu erhält.

Umzug mit Kleinkind - was soll daran anders sein?

Donnerstag, 21. Februar 2008
Aha, so ist das also. Ein Umzug mit Kind. Komischerweise hatte ich mir vorher gar nicht groß Gedanken darum gemacht. Umgezogen war ich oft genug.
Völlig unterschätzt habe ich den ganzen Krempel, mit dem man das Kind so im Laufe eines einzigen Jahres zuschütten kann.
Früher waren es immer meine Bücher, die die Umzugshelfer fluchen ließen. Jetzt weiß ich erstens gar nicht, wo diese unzähligen Klamotten der Kleinen überhaupt herkommen und warum ein Kind 57 Greiflinge braucht. Ganz abgesehen davon, dass sich meine Bücher auch wundersamerweise um 139 Ratgeber zu Erziehung, Entwicklung usw. vermehrt haben. Grob geschätzt hat sich unser Hausstand verdoppelt. Was solls, Umzugskartons können wir uns ja leihen, und das Packen geht doch schnell...

Mehr Ächz

Montag, 11. Februar 2008

Warum treffen wir eigentlich nie zweimal auf andere Wohnungsinteressenten? Wenn alle das gleiche Ziel (4 Zimmer in okayer Innenstadtlage) haben und diese Wohnungen knapp gesäht sind, müsste man doch theoretisch bei einigen Besichtigungsterminen aufeinandertreffen.

Tut man aber nicht. Wie beim Sportunterricht in der Schule werden alle nach und nach in die Mannschaft der 4-Zimmer-Wohnungsbewohner gewählt und nur wir bleiben übrig und verwahrlosen zusehends in unserer vollgemüllten Bude. Ob es an den beiden Kindern liegt, die wir jedesmal mitschleifen? Dabei ist der Große brav und der Kleine leise. Ideale Mietkinder.

Unsere neueste Idee: kaufen. Einfach was Nettes kaufen. Es gibt da einige interessante Fördermöglichkeiten.

Für die wir zu alt sind. Wie deprimierend.

Ächz. Vorrausschauend sogar: Ächz I

Mittwoch, 6. Februar 2008

So, liebes Immonet, nun zeig mal, was du kannst.

Komischerweise habe ich Hemmungen, Wohnungen über eine Zeitung zu suchen. Ist es die Angst vor der Verbindlichkeit des Analogen? Kürzlich sah ich eine digitale Hausnummer. Ganz unvermittelt, man geht die Fischerstrasse entlangt, Nummer 10 schwarze Frakturschrift auf Eierschalenweiss, Nummer 12 strenges Arial auf schwarzem Grund und PENG ein LED-Display mit Hausnummer 14. Zuerst kam es mir sinnlos vor. Hausnummern, das ist Beständigkeit, Unabänderlichkeit, Ewigkeit. Aaaaber: Wenn man ein Haus besitzt und umzieht, was kann man dann mitnehmen und an das neue Haus ranmachen und die aktuelle Hausnummer eingeben? Na? Genau. Leider habe ich kein solches Display ergooglen können.

In den Zeitungen stehen ja immer so tolle Wohnungen drin, "4 Zimmer in toller Lage für 970 Euro warm" zum Beispiel. Ich schaffe es dennoch nicht, dort anzurufen. Was nicht im Internet steht, existiert nicht. Eine Analog-Angebot-Annehmschwäche, AAAS. Was wiederum im Internet steht, ist auch mit Vorsicht zu genießen. Manch dauerhaft angebotene Wohnung wird zum Weggefährten, dem man jede Woche wieder "Hallo!" zuruft, wenn der Benachrichtigungsservice die neuesten Angebote heranschwemmt. Noch immer frage ich mich, was so schlecht ist an dieser 4-Zimmer-Wohnung in Eppendorf, die mich nun schon seit bald einem halben Jahr verfolgt. Auf immer hat sich der Straßenname in mein Gedächtnis eingebrannt, Tarpenbekstraße. Auf indianisch: "Da, wo die Wohnung ist, die keiner will", oder so ähnlich.

Mein Mann hingegen hat sich sofort in eine Wohnung im schicken Szeneviertel verliebt. Im Exposé gibt es eine Frontalansicht des Hauses. Nett, im ersten Stock mit sehr großen Balkon. Der Balkon bildet gleichzeitig das Dach für den Vorbau des darunterliegenden Lokals, das mit einem großen Schild für "Fussball live!" wirbt. Eine Wohnung über einer Fussballkneipe. War nach einer Stunde offensichtlich weg, die Anzeige unauffindbar. Gottseidank.


Es geht los. Geht es los?

Mittwoch, 6. Februar 2008

Leider geht es mit dem Wohnraum nicht wie mit den Hüften, je mehr Kinder dazu kommen. Es dehnt sich nichts aus. Unsere Hoffnung, dass den 2,5 Zimmern über Nacht möglicherweise noch ein weiteres Zimmer dazuwächst, hat sich nicht erfüllt.

Dabei wohnen wir doch recht platzsparend, Mama, Papa, ein Zweijähriger und das Baby. Ein Kinderzimmer braucht man erst ab zwei Jahren, vorher stellt man sich einen Babybalkon ans Elternbett oder nimmt einfach eine Seite der Gitterstäbe aus dem herkömmlichen Babybett. Zumindest das erste Lebensjahr ist dies die Empfehlung zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods. Das Spielzeug wird ohnehin durch die ganze Wohnung geschleift, verteilt und mit Reiswaffelresten verziert.

Aber man muss in die Zukunft schauen: eines Tages werden beide Söhne ein eigenes Zimmer fordern. Und spätestens mit der ersten Freundin wird es im Familienbett doch recht eng.

Wohnung suchen. Los.


Gerade Hamburg zählt neben München oder Frankfurt zu den Städten mit der höchsten Selbstmordrate unter Wohnungssuchenden. Könnte ich mir zumindest vorstellen. Obwohl doch für Hamburg und andere Großstädte Immonet eine helfende, wenn auch mitunter leicht schwitzige Hand reicht. Es ist kein Spaß, 4 Zimmer zu wollen.