Städte-Bashing, die Zweite
Karlsruhe. Ach Karlsruhe. Umzug nach Karlsruhe, umziehen nach Karlsruhe, im Umzugs-LKW nach Karlsruhe, ein Jammer.
Vielleicht wird es einige interessieren, dass es eine gute Idee ist, beim abschließenden Bewerbungsgespräch, also in dem Moment, in dem alle ihren Kummerbund lockern und die Gamaschen abwerfen, das Thema Umzugskosten als Zuckerl aufs Tablett zu bringen.
Umzugskosten für Umzüge von Stadt zu Stadt sind nicht gerade gering. Selbst für eine 1-2 Zimmer Wohnung bis zu 60 qm liegen diese nur für Ein- und Ausladen plus Transport bei 600-1200 Euro. Bei 3-4-Zimmern ist man schnell bei 2000 Euro. Interessant ist für manche Arbeitgeber auch der Vorschlag, sich aktiv am Umzug zu beteiligen. Das heisst natürlich nicht, dass man sich einen Nachmittag die Klempnerfalte des neuen Chefs anschauen muss, wann immer er einen schweren Schrank hebt. Sondern dass das Unternehmen einen Umzugstransporter, Fahrer oder Helfer stellt.
So wie mein überaus liebenswerter Ex-Arbeitgeber, der mir einen Fahrer samt Transporter nach Oldenburg schickte. Was übrigens sehr wichtig war, denn ich habe, nein: ich hatte keinen Führerschein. Umzug ohne Führerschein. Geht auch.
Aber ich schwoff ab, also Karlsruhe. Der Oscar für das knusprigste Hähnchen geht zweifelsohne an die Gockelburg.
Die Gockelburg-Hähnchen spotten jeder Beschreibung und setzen neue Maßstäbe in Sachen Krossheit. Scharf oder mild, mit Brot oder ohne. Mehr Entscheidungen sind nicht zu fällen. Leute, meidet den vollgemüllten Schloßgarten und geht zur Gockelburg!
Kulinarisch ist Karlsruhe ein Knaller. Neben der Gockelburg lockt auch Kofflers Heuriger ein Restaurant mit Biergarten, in dem man astreine österreichische Spezialitäten bekommt. Bedauerlich allerdings ist die Papageienhaltung dort.
"Wo bleibt denn da das Städtebashing??" werdet ihr jetzt schnaubend ausrufen, aber nur mit der Ruhe, ich habe fertiggepriesen. Jetzt kommt der Rest.
Karlsruhe wird bewohnt von Karlsruhern, die ein liebenswerter Menschenschlag sind, die sehr gut kochen. Aber kein deutsch können. Sich aber über andere beschweren, die es auch nicht können. "Karlsruhe hat ein Ausländerproblem" ist ein Satz, den man in Karlsruhe so oft hört wie "Nein, wir haben immer noch keine bezahlbare Wohnung gefunden" in Hamburg oder "Gott, was ist es hübsch hier" in Oldenburg. Mindestens 10 Leute haben mir dies in breitestem Karlsruherisch mitgeteilt. In meinen zwei Jahren Karlsruheaufenthalt habe ich nicht einen einzigen Ausländer kennengelernt. Möglicherweise bezogen sich alle auf den Mangel an Ausländern?
Hier in Hamburg stapeln sich die Ausländer geradezu, aber nie habe ich eine Beschwerde darüber gehört. Man geht multikulti Krupuk essen beim Bok oder Kumpir beim Türken. Ohnehin hängt halt Hamburg an schönen Tagen auf dem Galao-Strich in der Schanze und portugiest sich einen hinter die Binde (haha, klasse Wortspiel). Wohin sollen denn die Szene-Schnuffis ihre engen Röhrenjeans tragen, wenn nicht zu Ausländern und ihrer Gastronomie? Karlsruher vor, zeigt mir eure Ausländer.
Meine Meerschweinchen -Südamerikaner- wussten schon, warum sie all diese Stunden schimpfend im Umzugstransporter saßen. Ich inzwischen auch. Karlsruhe!
